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Toggenburger Tagblatt 28. Mai 2002

Publikum feiert Theatersport

Erste Theatersport-Veranstaltung im Lichtensteiger «Chössi»-Theater war ein besonderes Erlebnis Theatersport ist in Berlin ein Kassenschlager. Am Samstag war Premiere dieser aussergewöhnlichen Theaterart im «Chössi». Es gibt viel zu lachen über die Einfälle der um die Wette improvisierenden Schauspieler. Die zahlreichen Besucher waren begeistert. Weitere Theatersport-Vorstellungen werden folgen. TANJA TRAUBOTH MÜLLER Lichtensteig. «Was ist überhaupt Theatersport?», fragen sich die Zuschauer, die am Samstagabend ins «Chössi»-Theater kommen und sich gespannt auf die Kissen setzen. Die Lichter gehen an und der Klavierspieler setzt sich ans Instrument, spielt eine geheimnisvolle Melodie. Dann betritt der Schiedsrichter die Bühne - gekleidet wie der Unparteiische beim Fussball und erklärt die Regeln. Theatersport ist ein Spiel - eines für Zuschauer und Spieler. Das Publikum nennt einen Gegenstand, ein Gefühl, einen Titel oder ein Genre, wie beispielsweise Operette oder Tragödie. Die Schauspieler der beiden Mannschaften improvisieren danach nach bestimmten Vorgaben des Schiedsrichters. Schliesslich stimmt das Publikum mit roten und blauen Zetteln ab, welche Mannschaft ihr Thema besser dargestellt hat. Bisher ganz einfach. Es konnte losgehen. Raubtiere Die Mannschaft «Lust auf Wild» aus Zürich, je zwei Frauen und Männer, kriecht wie Raubtiere angriffslustig und mit roten T-Shirts ausgerüstet auf die Bühne und setzt sich auf die vier Stühle. Die Blauen, «Theater am Puls» aus Bern stellen sich auf wie zur Siegerehrung, schauten übertrieben ehrfurchtsvoll der Nationalfahne hinterher, die langsam am Masten aufgezogen wird. So kommen denn auch erste regionale Kulturunterschiede zum Tragen. Die Mannschaften verstehen es durchaus das Publikum zu beeinflussen. Eine Frau sagt, bevor sie später den Stimmzettel hebt: «Ich bin halt für die Berner.» Wahnwitzige Geschichten Und es geht los. Vom Publikum gestelltes Ausgangsthema: am Bahnhofsperron. Die Schauspieler wechseln sich ab, immer zwei stehen auf der Bühne. Die Geschichte entwickelt sich laufend weiter, immer abstruser werden die Abläufe. Ein Pärchen verabschiedet sich, der Mann setzt sich zurück auf seinen Stuhl, es kommt ein Überheblicher, der an der Zigarre kaut, die Nächste zettelt einen Beziehungsstreit an. Immer schneller wechseln die Themen. Als Zuschauer fühlt man sich in einem Sog gefangen: «Meister, soll ich die Gefangenen kochen?» ruft der Teufelsgehilfe und rührt im Kessel. Das Publikum tobt, es gefällt. Die Gegenmannschaft spielt eine eskalierende Dreiecksgeschichte, die in der Ankleidekabine eines Warenhauses beginnt. «Warum ziehst du dich jetzt vor dem aus?», ruft der Ehemann. Die Geschichte verwickelt sich zu einem besonderen Drama, auch hier laute Lacher. Die spontanen Ideen der Gruppe werden gefeiert. Der Schiedsrichter pfeift. Das Publikum muss sich nun entscheiden. «Lust auf Wild» bekommt die ersten Punkte. Die zwei Theater-Mannschaften spielten bekannte Alltagssituationen, überspitzt und komisch. Beziehungsprobleme, Eifersucht, Minderwertigkeitskomplexe, ein Rasenmäher, der nicht anspringen will. Absurdes, wie zum Beispiel ein Bär, der Curling spielt, ein Ross, das Ski springt, eine blinde Kuh und «Polizeiverhör in Paris», wird dargestellt. Schnelle Geschichten Alles geht sehr schnell. Manchmal laufen verschiedene Handlungen nebeneinander gleichzeitig, sodass man kaum mitkommt. Der Schiedsrichter hat eine gelbe und eine rote Karte. Er greift hin und wieder in die Handlung ein, sagt: «Nein, das stimmt nicht», und bestimmt so den weiteren Fortlauf des Abends. Die Spannung bleibt, das Publikum ist begeistert. Als die Blauen in der Wertung zurückliegen, darf einer der Schauspieler ein Gedicht aufsagen, mit dem Titel «Schlaflose Nächte», wodurch er noch einen Punkt machen kann. Mit Musik Der Klavierspieler untermalt das Ganze mit Musik, passend zur jeweiligen Situationskomik. Die Berner spielen eine Szene: «Warten auf den Bus», die sie dann als Operette wiederholen. Und so krächzten und trällerten sie in den höchsten Tönen mit Klavierbegleitung. Während die Theatersport-Mannschaft aus Bern am Anfang vorne lag, holte «Lust auf Wild» auf und gewinnt am Schluss, obwohl die Blauen nochmals eine Chance bekamen mit dem Gedicht «Erdbeermund». Das Publikum ist begeistert, doch der Schiedsrichter gibt den Punkt nicht. Wer gewinnt ist am Ende nicht so wichtig. Sieger sind alle, denn Publikum, Spieler und Schiedsrichter haben viel Spass gehabt und werden hoffentlich bald wiederkommen.